2019-11-28 08:19

Versuchte Vergewaltigung: Gericht glaubt dem Opfer

Thun

Ein Thuner ist wegen versuchter Vergewaltigung, versuchter sexueller Nötigung, Raub und Diebstahl zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt worden.

Die Verhandlung fand am Regionalgericht Oberland in Thun statt.<br><i>(Archivbild)</i>

Die Verhandlung fand am Regionalgericht Oberland in Thun statt.
(Archivbild)

  • Hans Kopp

«Das Gericht muss sich klar werden, was passiert ist und welcher Sachverhalt erwiesen ist», sagte Gerichtspräsident Jürg Santschi am Mittwoch bei der Urteilseröffnung. Es ging um den 33-jährigen Schweizer aus der Region Thun, dem versuchte Vergewaltigung, versuchte sexuelle Nötigung, Raub, mehrfacher Diebstahl und mehrfache Sachbeschädigung zur Last gelegt wurden.

Er wollte Sex

Bekanntlich hatte der Beschuldigte die versuchten Sexualdelikte bestritten. Während die Mitfahrt der Frau auf dessen Motorfahrrad klar sei, gebe es zu den entscheidenden Vorgängen, das heisst zu den versuchten sexuellen Handlungen, keine Beweismittel. Zu diesen Punkten gehen die Aussagen des Mannes und des Opfers diametral auseinander. Es habe daher gegolten, diese genau zu analysieren.

Die ersten Einvernahmen der Frau seien in Hochdeutsch erfolgt, was für diese mit gewissen Schwierigkeiten verbunden gewesen sei. Bei der Hauptverhandlung am Mittwoch stand ihr eine Übersetzerin zur Seite, welche die Befragung durch das Gericht ins Englische übertrug. «Die Aussagen des Opfers sind absolut plausibel und nachvollziehbar», stellte Santschi fest. Sie habe die Realitäten «wie im Buche» geschildert, führte er weiter aus.

Die Aussagen des Beschuldigten, wonach er von der Frau angegriffen worden und in der Folge auf sie gefallen sei, bezeichnete er als Schutzbehauptung. Dessen Verhalten lasse eindeutig darauf schliessen, dass er Sex wollte. «Das Gericht ist zum Schluss gekommen, dass die Aussagen des Opfers, im Gegensatz zu jenen des Täters, glaubhaft sind», so Santschi.

Früher ähnliche Delikte

Auch die 21 Entreissdiebstähle, von welchen er nur einen zugab, seien dem Beschuldigten anzulasten, befand das Gericht. Zu diesem Schluss kam es auch aufgrund der Aussagen von Privatklägerinnen. Er überholte jeweils mit seinem Motorfahrrad auf dem Velo fahrende Frauen und entwendete ihnen dabei die Handtasche – oder versuchte es. Dabei kam es auch zu zwei Sachbeschädigungen. Bereits 2008 wurde er wegen 30 ähnlicher Delikte zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt.

Den bestrittenen Raub sah das Gericht ebenfalls als erwiesen an, weil das Opfer ihn wieder erkannte.

Schuldig in allen Punkten

Der Mann wurde letztlich in allen Anklagepunkten als schuldig erklärt. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten verurteilt, wovon er 12 Monate absitzen muss. Für eine Teilstrafe von 24 Monaten wird der Vollzug bei einer Probezeit von vier Jahren aufgeschoben. Die Untersuchungshaft von 28 Tagen wird angerechnet. Zudem werden ihm Verfahrenskosten von 22'923 Franken überbunden.

Im Weiteren hat er dem Opfer eine Genugtuung von 6000 Franken und eine Parteientschädigung von 8889 Franken zu leisten. Darüber hinaus hat er einige Zivilklägerinnen mit kleineren Beträgen zu entschädigen. Mehrere haben ihre Klagen zurückgezogen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es kann innert zehn Tagen beim Regionalgericht Oberland Berufung angemeldet werden.