2019-09-17 20:03

Interlakner Gemeinderat will Airbnb-Wohnungen beschränken

Interlaken

In Interlakens Zentrum soll auch künftig genügend Wohnraum für die einheimische Bevölkerung zur Verfügung stehen. Deshalb plant der Gemeinderat nun die Einführung eines Erstwohnungsanteils.

Einheimische freuts, Touristen weniger: Interlaken geht gegen Vermieter von Zweit­wohnungen vor.

Einheimische freuts, Touristen weniger: Interlaken geht gegen Vermieter von Zweit­wohnungen vor.

(Bild: Screenshot Airbnb)

«Zweitwohnungen sind ein komplexes Thema», erklärte gestern Interlakens Gemeindepräsident Urs Graf an einer Medienkonferenz. Ein Thema, das für Interlaken relativ neu sei. «Ein Thema, das uns aber die letzten zwei Jahre sehr intensiv beschäftigt hat und auch in Zukunft beschäftigen wird.»

Innert kurzer Zeit stieg der Zweitwohnungsanteil in Interlaken stark an. 2018 auf 18 Prozent. Im Dezember zog der Gemeinderat dann die Notbremse und erliess eine Planungszone, um die Situation zu analysieren und Massnahmen zu erarbeiten.

Ein erster Schritt war die Anpassung des Kurtaxenreglements, um den boomenden Buchungsplattformen wie Airbnb gerecht zu werden. «Dass die Änderung mit 92 Prozent gutgeheissen wurde, ist für uns ein Zeichen, dass die Bevölkerung anerkennt, dass etwas getan werden muss», meinte Graf.

Eigene Lösung

Ob die gestern vorgestellte Anpassung des Baureglements ähnlich hohe Zustimmungswerte verzeichnen wird, ist offen. Sie liegt noch bis am 8. November zur Mitwirkung auf. «Ich erwarte eine kontroverse Diskussion», meinte Graf.

Gemeinderätin Sabina Stör wies darauf hin, dass man nach einer eigenen Lösung gesucht habe. Auch gezwungenermassen, da es keine bestehenden, erprobten Rezepte gebe, die auf den Fall Interlaken angewendet werden könnten.

«Ich erwarte eine kontroverse Diskussion»Urs Graf, Gemeindepräsident Interlaken, zur geplanten Anpassung des Baureglements

Ziel der Anpassung sei es einerseits, Wohnraum für Einheimische zu schützen. Andererseits Störungen in Wohnquartieren zu minimieren. Kalte Betten hingegen seien in Interlaken kein Thema.

Im Zentrum

Die Interlakner Lösung sieht demnach drei Zonen vor, die unterschiedlich gehandhabt werden: das Zentrum, die gemischt genutzten Gebiete und die reinen Wohnquartiere. In den ersten beiden soll ein Erstwohnungsanteil eingeführt werden.

«Im Zentrum, wo die Post abgeht, ist dieser mit 25 Prozent tief angesetzt», erklärte Peter Perren vom Beratungsbüro Ecoptima. In den restlichen gemischt genutzten Gebieten seien es 50 Prozent. So soll einerseits eine intensive Nutzung möglich sein, aber auch Wohnraum für Einheimische geschützt werden.

In den Quartieren

In der Wohnzone seien die Probleme anders gelagert. Hier führten viele Wechsel bei Wohnungen für Störungen, Suchverkehr und Abfall. Dem will der Gemeinderat mit einem Verbot von Vermietungen von weniger als fünf aufeinanderfolgenden Nächten einen Riegel vorschieben.

Dies würde gerade Plattformen wie Airbnb treffen, aber nicht klassische Ferienwohnungen. «So wollen wir auch verhindern, dass neue strukturierte Beherbergungsbetriebe im Wohngebiet entstehen», sagt Sabina Stör. Die bestehenden seien davon aber nicht betroffen. Ausgenommen vom Verbot sei auch die Vermietung eines einzelnen Zimmers in einer Wohnung, in der der Vermieter selbst wohnt.

Legt der Gemeinderat beim Erstwohnungsanteil Wert auf eine weitgehende Besitzstandsgarantie, will man bei der Mindestanzahl Übernachtungen in Wohnquartieren hart bleiben.

Nach der öffentlichen Mitwirkung soll das angepasste Reglement in die kantonale Vorprüfung. «Wir wollen es dann im kommenden Sommer öffentlich auflegen, sodass der Grosse Gemeinderat im Herbst darüber beschliessen kann.» Bis dahin ist weiterhin die Planungszone in Kraft. Dieses entspricht einem Moratorium.