2018-05-01 17:27

Ein Oscar für das Volkstheater

Meiringen

Das Volkstheaterfestival nimmt Gestalt an. Noch sind nicht alle Fragen zum «Oscar des Volkstheaters» geklärt. So ist der Standort der Veranstaltung noch offen.

Nicht ganz einfach: Der Komiker Beat Schlatter bei seinen ersten Fahrversuchen mit einem Segway.

«Es ist eine Win-win-Situation», diese Aussage war gestern an der Pressekon­ferenz der Organisatoren des Volks­theaterfestivals Meiringen oft zu hören. Besonders von Präsident Thierry Ueltschi und seinen OK-Kollegen, aber auch von Ideengeber und Berater Beat Schlatter und Gemeindepräsident Roland Frutiger.

Dieser liess sich in der Vorfreude auf das geplante jährliche Festival zur Aussage hinreissen: «Ich bin wohl der glücklichste Gemeindepräsident der Schweiz.» Das hat seinen Grund: Wenn es nach den Organisatoren geht, soll das Volkstheaterfestival das werden, was Locarno für die Film- und Arosa für die Humorszene ist.

Die Idee für das Festival entstand nach einem Auftritt Schlatters in Meiringen im Gespräch mit Ueltschi, Re­gisseur und Gründer der Theatergruppe Glinggige.

«Das Hauptziel ist es, Theaterschaffende zusammenzubringen», erklärte Ueltschi. Gerade die Volkstheater würden meist nur bei sich zu Hause auftreten. Dass der Austausch an einem Festival be­reichernd ist, bestätigt Komiker Schlatter und verweist auf eigene Erfahrungen beim Humorfestival in Arosa.

Der offizielle Song des Festivals aus den Kehlen des OKs. Video: Samuel Günter

Breit abgestützt

Vieles ist heute schon klar: Das Festival soll erstmals vom 12. bis zum 16. Juni 2019 stattfinden (s. Infobox). Dabei werden die acht – laut einer Auswahlkommission und dem OK – besten Volkstheatergruppen auftreten. Am letzten Tag findet dann die Verleihung der Goldenen Meringue statt – sie soll zum Oscar der Schweizer Volkstheaterszene werden.

Schon jetzt scheint klar, dass der Wettbewerb breit abgestützt sein wird. «Der straff geführte Westschweizer Theaterverband mit über zweihundert Gruppen ist schon länger mit an Bord», erklärte der für die Kommunikation zuständige Thomas Raaflaub.

Und seit vorgestern auch der Zentralverband Schweizer Volkstheater, dem rund fünfhundert Gruppen angehören. Weiter beteiligen sich die beiden grössten Schweizer Theaterverlage Breuniger und Elgg. Sie sind auch in der Auswahlkommission vertreten.

Und auf diese Kommission wartet viel Arbeit. «Wir wollen uns nicht einfach DVDs der Kandidaten ansehen, sondern jedes Stück live vor Ort», erklärte Enrico Maurer vom Verlag Breuniger. Bis jetzt seien zwanzig Bewerbungen eingegangen.

Nach einem Artikel, der in der Theaterzeitung erscheinen wird, erwarten die Organisatoren noch deutlich mehr. Bis Ende März 2019 sollen die Stücke gesichtet werden, die Auswahl der besten acht Mitte April abgeschlossen sein.

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Tramhalle bevorzugt

Anderes ist noch offen: Am wichtigsten der Veranstaltungsort. Hier planen die Organisatoren zweigleisig. «Unsere bevorzugte Lösung wäre die Tramhalle Meiringen», erklärte Vizepräsident Werner Thöni. Diese sei zentral gelegen, ­würde genügend Platz und das richtige Ambiente bieten.

Allerdings müsste die Gemeinde in das Gebäude investieren. «Beispielsweise hat es heute mehrere Stützpfeiler, was für ein Theater natürlich ungünstig ist», erklärte Gemeindepräsident Frutiger.

«Momentan laufen architektonische Abklärungen, was dafür nötig wäre, das Depot bereitzustellen.» Die Gemeinde wolle, so gut es gehe, Hand bieten. «Aber die Zeit könnte knapp werden, da es je nach Höhe der Investitionen einen Volksentscheid braucht.»

Darauf sind die Organisatoren vor­bereitet: «Plan B ist ein Kubus auf dem Casinoplatz», erläutert Ueltschi. «Dies wäre von den Bewilligungen her ein­facher, aber auch teurer.»

«Das passt zusammen»

Alle Beteiligten sind sich einig, dass Meiringen vom Anlass profitieren würde, und zwar über die dreihundert Besucher pro Vorstellung hinaus. Neben den eigentlichen Aufführungen soll es ein Streetfood-Festival geben.

«Die Ausstrahlung wird gross ein, wie eben bei Locarno und Arosa», meinte Schlatter. Der Vergleich schmeichelte Frutiger, der aber auch selbstbewusst sagte: ­«Dieser Anlass und Meiringen – das passt zusammen.»

Berner Oberländer