2019-07-18 16:09

Amerikaner warnen vor «russischer» Face App

Das Bild-Tool, mit der man sich per Klick «altern» lassen kann, boomt. Doch US-Politiker fürchten, damit könnten Daten in «ein feindliches Land» gelangen.

Wladimir Putin, mittels Face App auf alt getrimmt. Foto: Getty Images

Wladimir Putin, mittels Face App auf alt getrimmt. Foto: Getty Images

Ist Face App, derzeit die am meisten heruntergeladene App, nun ein Spasstool oder schon ein Spionagetool? Der demokratische Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, geht von Letzterem aus: Er hat das FBI und die Handelsaufsicht aufgerufen, die beliebte App mit Blick auf Sicherheit und Datenschutz unter die Lupe zu nehmen. Es wäre «zutiefst beunruhigend», wenn sensible persönliche Daten in ein «feindliches ausländisches Land» transferiert würden, das «aktiv in Cyber-Feindseligkeiten mit den USA» verwickelt sei.

Die Smartphone-Anwendung lässt Gesichter auf Fotos künstlich altern, man kann das Geschlecht ändern, die Augenfarbe, die Frisur oder auch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Solche Bilder sind in den sozialen Medien derzeit sehr populär, nachdem auch Prominente den Selbstversuch gemacht haben. Die App benötige vollen Zugriff auf die persönlichen Fotos und Daten der Nutzer, warnt Schumer nun. Dies könne für Millionen Amerikaner ein Sicherheits- und Datenschutzrisiko darstellen. Die US-Demokraten riefen ihre Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2020 dazu auf, die App nicht zu benutzen – wegen ihrer russischen Herkunft.

Nicht anders als Google

Bisher haben Experten keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass die App Daten an die russische Regierung liefert. Das Unternehmen Wireless Lab in St. Petersburg betont, dass überhaupt keine Daten nach Russland transferiert würden. Die Bilder würden in der Cloud bearbeitet, dafür benutze man internationale Ressourcen, etwa vom amerikanischen Internetgiganten Google. Die Daten würden weder verkauft noch mit einer Drittpartei geteilt. In den Nutzungsbedingungen steht, das Unternehmen «könne» Fotos in der Cloud speichern. Die «meisten» Bilder würden aber innerhalb von 48 Stunden wieder gelöscht. Zudem lade Face App nicht alle Fotos hoch, betroffen seien nur jene, die der User ausgewählt und bearbeitet habe. Experten betonen, dass die in Russland entwickelte App damit nicht mehr und nicht weniger Risiken berge als andere Dienste wie Google oder Facebook.

Entwickelt hat Face App Jaroslaw Gontscharow, der Wireless Lab 2014 gründete. Er habe acht Monate gebraucht, um die erste Version zu entwickeln, die auf künstlicher Intelligenz aufbaut, sagt er. Getüftelt habe er an Mechanismen der künstlichen Intelligenz aber schon lange, erklärt der Russe, der 1996 bis 2001 an der Petersburger Staatsuniversität Informatik studierte hat.

Der Entwickler von Face App: Jaroslaw Gontscharow. Foto: Facebook

Attraktiv war der Experte auch für US-Unternehmen: «Ich arbeitete bei Microsoft in Redmond, in den USA, und am Abend habe ich einen Bot programmiert, mit dem man Poker spielen konnte», erzählt er in einem Interview vom Mai 2017 dem russischen Unterhaltungsmagazin «Afischa». Die Anstellung dauerte offenbar gut zwei Jahre, von Dezember 2003 bis Februar 2006. Danach habe er an Spracherkennung gearbeitet, bevor er dann die Face App entwickelte. Dazu habe er den Algorithmus mit «Millionen von Fotos gefüttert», damit dieser Gesichtsveränderungen errechnen könne.

«Ethnischer Filter» stiess auf Kritik

Die App ist nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. In einer früheren Version von 2017 konnte unter dem Befehl «hot» die Hautfarbe aufgehellt werden, was ihr den Vorwurf eintrug, ein weisses Schönheitsideal zu propagieren. Noch massivere Kritik fuhr Gontscharow danach mit einem «ethnischen Filter» ein, der ein Gesicht «schwarz», «weiss» oder «asiatisch» aussehen liess. Nach dem erneuten Vorwurf des Rassismus wurde der Filter umgehend gelöscht.

Heute hat das Tool laut Angaben von Wireless Lab über 80 Millionen aktive User. In Russland ist die App schon seit Jahren populär und wird auch gern für politische Satire im Netz gebraucht. Dort erklärt etwa ein massiv gealterter Präsident Putin seinem Volk tröstend: «Keine Sorge, liebe Russen! Wir bleiben bis zum Ende bei euch.»