2019-07-18 18:05

Schweizer Doppelbürger in Marokko als Terrorist verurteilt

Nach dem Mord an zwei Touristinnen aus Skandinavien werden 24 Männer verurteilt – drei von ihnen zum Tod.

Anwälte von Angeklagten im Gerichtsgebäude in Salé. (18. Juli 2019) Bild: Youssef Boudlal/Reuters

Anwälte von Angeklagten im Gerichtsgebäude in Salé. (18. Juli 2019) Bild: Youssef Boudlal/Reuters

Im Prozess um die mutmasslich islamistisch motivierte Ermordung zweier skandinavischer Rucksack-Touristinnen in Marokko sind drei Angeklagte zum Tode verurteilt worden. Ein mitangeklagter schweizerisch-spanischer Doppelbürger erhält 20 Jahre Gefängnis.

Das hat ein Gericht im marokkanischen Salé entschieden. Angeklagt waren insgesamt 24 Verdächtige aus der radikalislamischen Szene. Die drei Hauptverdächtigen hatten den Mord an den jungen Frauen aus Dänemark und Norwegen im Dezember gestanden.

Der nun wegen «Gründung einer terroristischen Organisation» verurteilte Schweizer hatte stets seine Unschuld beteuert. Das Gericht verhängte gegen ihn die von der Staatsanwaltschaft geforderte Haftstrafe. Der Mann hat die spanische und die schweizerische Staatsangehörigkeit inne und ist zum Islam konvertiert. Er soll den Haupttätern beigebracht haben, wie sie verschlüsselte Nachrichten verschicken und Waffen benutzen.

Bilder: Trauer um getötete Skandinavierinnen

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«Es gibt keinen Gott neben Gott», sagte der Hauptverdächtige, der in traditioneller salafistischer Kleidung vor Gericht erschien, während der letzten Anhörung am Donnerstag. «Lass ihn mir vergeben», fügte er an.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Dezember die Todesstrafe für die drei Hauptangeklagten gefordert. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass einer von ihnen der Anführer des für die Morde verantwortlichen Dschihadistennetzwerks war.

Mutter eines Opfers forderte Todesstrafe

Auch die Mutter des dänischen Mordopfers, hatte die Todesstrafe gegen die Täter gefordert. «Am gerechtesten wäre es, gegen diese Bestien die Todesstrafe zu verhängen, die sie verdienen», hatte die Dänin vergangene Woche in einem von ihrem Anwalt vor Gericht verlesenen Brief erklärt.

Der Anwalt der dänischen Opferfamilie sagte der Nachrichtenagentur AFP vor der Urteilsverkündung: «Wir erwarten Strafen, die der Grausamkeit der Tat entsprechen.»

Die 24-jährige dänische Studentin Luisa Vesterager Jespersen und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin Maren Ueland waren im Dezember beim Zelten im Atlas-Gebirge brutal ermordet worden. In einem nach dem Mord verbreiteten Video hatten die mutmasslichen Täter dem Anführer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der beiden Opfer. Der Fall hatte in ganz Marokko für Entsetzen gesorgt.

Alle Mittäter sind IS-Anhänger

Alle ausser den drei Hauptangeklagten hatten sich während des Prozesses als IS-Anhänger bezeichnet. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 15 Jahren. Für einen der Mittäter plädierte sie auf lebenslange Haft. Der 33-jährige Klempner hatte die drei Hauptverdächtigen begleitet, den Tatort aber kurz vor den Morden verlassen.

Nach Auffassung der Ermittler waren die Verdächtigen von der IS-Ideologie inspiriert, hatten aber keinen Kontakt zu den Jihadisten in Syrien oder dem Irak. Der IS selbst reklamierte die Tat nie für sich.

red/sda