2016-09-23 14:10

«Dauernd flicken ist teurer»

Frutigen

Die Rinderwaldstrasse in Frutigen ist in einem besorgniserregenden Zustand. Jährlich verbaut die Gemeinde rund 80 Tonnen Teer – als Flickwerk. Die Planung für eine Gesamtsanierung und eine Verbreiterung läuft seit langem, doch dauert es mindestens noch bis 2019, bis die Bauarbeiten in den Spissen beginnen.

Im Laufe der Jahre sind auf der Rinderwaldstrasse bis zu 70 Zentimeter ­Belag bei Reparaturen aufgebracht worden. Die Ränder bröckeln weiter ab.

Im Laufe der Jahre sind auf der Rinderwaldstrasse bis zu 70 Zentimeter ­Belag bei Reparaturen aufgebracht worden. Die Ränder bröckeln weiter ab.

(Bild: zvg)

  • Hans Rudolf Schneider

Je weiter weg das Ziel ist, umso länger kann man sich darauf ­freuen: Für die Anwohner von Rinderwald dauert dies nun schon seit acht Jahren. Es geht um die Zufahrtsstrasse hoch in die Frutiger Spissen, die in einem desolaten Zustand ist. Erschlossen werden damit 53 Wohnhäuser, 17 Sennhütten und zahlreiche Scheunen.

23 Bauernbetriebe bestehen an Rinderwald, die Schüler von Ried, Linter, Ladholz und Achseten werden im Schulhaus unterrichtet. Sie alle sind auf eine sommers wie winters nutzbare Strasse angewiesen.

Die Ausarbeitung eines Ausbauprojektes erfolgte zwar schon 2009, doch erst jetzt geht es richtig los mit dem Projekt. Die lange Zeitdauer begründet Simon Bircher, Bereichsleiter Tiefbau, Verkehr und Wasserbau der Bau­verwaltung Frutigen, so: «Das Projekt brauchte eine gewisse Zeit, bis es aufgenommen und zu Papier gebracht war. Dann wurde es aus finanziellen Gründen nach hinten geschoben, und der Hauptgrund liegt sicher in den personellen Wechseln auf der Bauverwaltung. Dies ist an vielen Projekten nicht spurlos vorbeigegangen.»

Tragfähig bis 40 Tonnen

Am Donnerstag wurden nun die Anwohner über den Stand, den Zeitplan und die Finanzierung informiert. Der Ausbau der 3,5 Kilometer langen Strasse soll in drei Etappen erfolgen, wie Planer Daniel Rieder erklärte. Vorgabe ist, dass bis zum Schulhaus auch Lastwagen mit Anhänger fahren können, weiter den Berg hinauf Lastwagen solo ohne Anhänger sowie grosse und breite land­wirtschaftliche Fahrzeuge.

«Die Strasse wird einspurig mit einer Fahrbahnbreite von 3 Metern, in den Kurven bis zu 5,4 Metern mit Wendemöglichkeiten für Lastwagen.» Mehrere Ausweichstellen ermöglichen das Kreuzen von Fahrzeugen. Das bedingt, dass an Dutzenden von Stellen die Strasse hang- oder bergwärts verbreitert werden muss, Block- und Betonmauern prägen die Rinderwaldstrasse auch zukünftig.

Der Terminplan sieht vor, dass 2017 die öffentliche Auflage erfolgt sowie an der Urne über den Kredit und den Grundeigentümerbeitragssatz abgestimmt wird. 2018 muss der Grosse Rat den Rahmenkredit bewilligen, damit Subventionen aus dem Strukturverbesserungsprogramm von Bund und Kanton gesprochen werden können. Als Bauzeit wird 2019–2026 genannt. Ein Knackpunkt wird sicher die Baustellenorganisation, da zeitweise die Strasse ohne Umfahrungsmöglichkeit komplett gesperrt sein wird.

Kosten: 6,8 Millionen Franken

Jährlich müssen rund 30'000 Franken in die Reparatur gesteckt werden, das sind jeweils etwa 150 Arbeitsstunden und 80 Tonnen Teer. Noch nicht im Detail klar ist, wie viel die Liegenschaftsbesitzer an das Ausbauprojekt bezahlen müssen. «Die Berechnung ist relativ kompliziert. Insgesamt sind nämlich 273 Grundstücke im Projektperimeter aufgeführt», wie Paul Indermühle von der Schatzungskommission erklärte.

Und weiter zum Thema Geld: Aktuell sind gesamte Projekt­kosten von 6,8 Millionen Franken berechnet. «Im besten Fall, wenn wir alle erhofften Beiträge er­halten, verbleibt der Gemeinde eine knappe Million Franken», schätzt Simon Bircher von der ­federführenden Bauverwaltung. «Das ist immer noch weniger, als wenn wir die nächsten zehn Jahre weiterflicken. Das kostet die Gemeinde schätzungsweise netto 1,4 Millionen Franken – flicken ist also teurer. Und bringt keine wirkliche Verbesserung der Si­tuation für die Anwohner.»