2019-07-18 16:49

Ein pinkfarbener Kiosk als Mahnmal für den Gletscherschwund

Grindelwald

Die Künstlerin Barbara Kiener bemalte in einer illegalen Aktion den ehemaligen Kiosk beim Oberen Grindelwaldgletscher.

Das neu angemalte Kioskgebäude untserhalb des Oberen Grindelwaldgletschers (oben). Foto: PD

Das neu angemalte Kioskgebäude untserhalb des Oberen Grindelwaldgletschers (oben). Foto: PD

Auf einmal war er pink. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli hat Barbara Kiener illegal das Kioskgebäude sowie die übrig gebliebenen Stufen der Treppeninstallation am Helischopf in Grindelwald bemalt. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung der Interlakner Künstlerin hervor.

Dieser Aufstieg war nach 50-jährigem Bestehen 2014 geschlossen worden. Die 160 Meter hohe Holztreppe ermöglichte den Besuchern den Zugang zum Oberen Grindelwaldgletscher. «Der rapid schnelle Gletscherrückgang lässt das Kioskgebäude und die 890 Tritte als wichtigen Zeitzeugen zurück», heisst es in der Mitteilung.

Barbara Kiener in ihrem Atelier in Interlaken

Die freischaffende Künstlerin inspirieren nach eigenen Angaben heimische Traditionen, Ursprünglichkeit und deren Dynamik. Die «Hinterfragung der damit verbundenen Gegebenheiten, deren Folgen und Auswirkungen auf Mensch und Natur» seien Antrieb ihres Schaffens. «Die visuelle Veränderung und überraschende Farbgebung des Kioskgebäudes und Treppeninstallation zeigen das Zusammenspiel der obengenannten thematischen Komponente», schreibt Barbara Kiener.

Ein «wichtiger Zeitzeuge»

Zur Überbrückung des unwegsamen Felsens führte die Holztreppe über das vom Gletscher und Schmelzwasser fein geschliffene Felsplateau. «Die Wegführung der 890 steilen Stufen durchschleust den wulstigen Felsen, führt über faltige Gesteinsschichten und passiert überquellendes Kalkgestein – Zeitzeugen, welche allumfassend von weltlicher Entstehung erzählen. Wie ein in den stotzigen Felsen eingemeisselter Blitz führte die Treppe über den 160 Meter hohen Felsriegel», heisst es in der Mitteilung.

Und weiter: «Die hier entstandene aussergewöhnliche Verknüpfung zwischen Mensch und Natur zeigt die Künstlerin durch die verstärkte Sichtbarkeit der ausdruckstarken, in Farbe getunkten Gebäude und Treppe.»

Der dramatische Gletscherrückgang lasse die Installation als wichtigen Zeitzeugen zurück, welche Barbara Kiener durch die Farbgebung als zeitgenössische Schnittstelle interpretiere. Die künstlerische Aktion soll laut Medienmitteilung «Ausgangspunkt zur Hinterfragung unseres Einflusses und deren Konsequenz» sein.

pd/jez