2019-05-15 07:00

Ein Top-Bild in Sachen Tourismus

Interlaken

Der Tourismus im Fokus: Der bernische Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann beim Handels- und Industrieverein in Interlaken.

Regierungsrat Christoph Amman spricht zur Hauptversammlung deds HIV.

Regierungsrat Christoph Amman spricht zur Hauptversammlung deds HIV.

(Bild: Bruno Petroni)

  • Anne-Marie Günter

20 Minuten Tourismus: Nach den Hauptversammlungen des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern und seiner Sektion Interlaken-Oberhasli hatte der Wirtschaftszweig Tourismus einen fulminanten Auftritt.

Im Inputreferat des bernischen Volkswirtschaftsdirektors Christoph Ammann gabs kurz Fakten und Zahlen zum Thema aus Regierungssicht, und dann moderierte Stefan Regez, Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», ein 20-Minuten-Wirtschaftspodium mit Ammann, Iris Huggler, Mitinhaberin von Jungfrau World Events, Peter Kämpfer, Direktor des gastgebenden Grandhotels Victoria-Jungfrau & Spa, und Jungfraubahnen-CEO Urs Kessler.

Hinter Zürich auf Platz zwei

4,7 Milliarden Franken beträgt die Wertschöpfung des Tourismus im Kanton Bern, und in Sachen Hotellogiernächte liegt er hinter Zürich auf Platz zwei. Würden Ferienwohnungen dazugezählt, wäre Bern auf Platz eins. Der Tourismus trägt 6 Prozent an das Bruttoinlandprodukt (BIP) bei, wobei es laut Ammann in Gstaad 45 Prozent sind. Er lobte die Touristiker: «Der Tourismus ist ein Standbein, das sich bewegt.» Der Kanton Bern habe verschiedene Tourismusregionen, die sich bestens ergänzten. Er sei, wie Ex-Bundesrat Johann Schneider-Ammann es von der Schweiz gesagt hat, «un petit paradis».

Und deshalb engagiere sich der Kanton, zum Beispiel mit dem Tourismusentwicklungskonzept, in das direktionenübergreifend auch die Kulturstrategie einbezogen werde. Direkte Unterstützung gibts für international werbewirksame Anlässe wie Lauberhornrennen, Weltcup Adelboden und Jungfrau-Marathon. Gefordert sei der Tourismus bei der Digitalisierung. Und gefordert sei der Kanton für eine Regelung mit Reservierungsplattformen wie Airbnb.

Interlaken-Jungfrau?

«Die Destinationspolitik ist abgeschlossen», sagte er. Wenn sich bei der Digitalisierung nicht neue Fragen stellten. «Wo hört Interlaken eigentlich genau auf und beginnt die Jungfrauregion?», fragte Regez im Podiumsgespräch. Vielleicht sei der Tourismus in Sachen Marken etwas rückständig, fand Urs Kessler. Eine Destination sollte sich um starke Marken aufbauen. Interlaken und Jungfrau sind starke Marken.

Ammann denkt, dass es, wenn er zurücktritt, immer noch eine Destination Jungfrau und eine Destination Interlaken geben wird. Wie stark «Jungfrau» dank der Jungfraubahnen ist, war nach den an der Aktionärsversammlung vom Vortag kommunizierten Superzahlen auch ein Thema des Podiums. Kessler zeigte auf, dass ihm an der Qualität seiner Marke etwas liegt: Weil der angebotene Preis nicht stimmte, hat die JB auf die 12000 chinesischen Mitarbeitenden eines US-Unternehmens verzichtet, die laut «Blick» Luzern überschwemmt haben. «Sie wissen jetzt, dass sie noch nicht am schönsten Ort gewesen sind», sagte Kessler.

Nicht dreinreden

Peter Kämpfer ist aus dem luzernischen Weggis nach Interlaken gekommen und ist zufrieden mit dem Geschäftsgang des Luxushotels der Aevis Victoria SA in Interlaken. Iris Huggler fand es richtig, dass der Kanton für kommerzielle Events wie das Greenfield keine finanzielle Unterstützung gibt.

Hörbare Zustimmung aus der Versammlung gabs für ihre Aussage, dass der Staat der Wirtschaft ja nicht dreinreden müsse, wenn sie selber existieren könne. Kessler lobte die frühere SP-Regierungsräte Barbara Egger und Christoph Ammann für die Unterstützung des V-Bahn-Projektes – das Ammann als grösstes Bahnprojekt seit dem Bau der Jungfraubahn bezeichnete – und tadelte die Behörden in Sachen der Event-Weiterentwicklung auf First.

Berner Oberländer