2019-04-02 20:09

Die Befürchtungen der Landwirte

Wynigen

Die Gemeinde Wynigen hat kaum Möglichkeiten, sich baulich zu entwickeln. Dafür soll das Orts- und Landschaftsbild des Dorfes und der Aussenbezirke geschützt werden.

In Weilern wie Kappelen ist kaum Wachstum möglich. Zudem spielt bei Bauvorhaben der Ortsbildschutz eine wichtige Rolle. Foto: Miriam Elias

In Weilern wie Kappelen ist kaum Wachstum möglich. Zudem spielt bei Bauvorhaben der Ortsbildschutz eine wichtige Rolle. Foto: Miriam Elias

  • Tobias Granwehr

Landauf, landab werden derzeit die Ortsplanungen revidiert. Am Donnerstagabend debattieren die Wyniger über eine neue baurechtliche Grundordnung. An einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung ist einzig die Ortsplanungsrevision traktandiert. Dabei geht es gemäss den Unterlagen im Wesentlichen um folgende Punkte: die Siedlungsentwicklung nach innen, die Festsetzung der Gewässerräume, die Umsetzung der Gefahrenkarte sowie die Harmonisierung der Begriffe im Baureglement.

Wynigen geht es wie vielen Gemeinden in der Region: Aufgrund der kantonalen und nationalen Vorgaben kann sie kein Bauland mehr einzonen. «Wir können im Dorf selbst keine Reserven mehr erschliessen. Deshalb wird sich Wynigen einwohnermässig in nächster Zeit nicht gross entwickeln können», sagt Gemeinderat Emanuel Haldi. Er ist zuständig für das Ressort Bau und Planung. Am Burgerweg Richtung Kappelen wollten Landbesitzer zwar Grundstücke einzonen. Doch das sei vom Kanton nicht genehmigt worden, so Haldi. Einerseits wegen Fruchtfolgeflächen, andererseits wegen fehlender Anbindung an den öffentlichen Verkehr.

Letzteres hat gemäss Haldi vor allem auch Auswirkungen auf die Entwicklung von Wynigens Aussenbezirken. «Es sind uns deshalb etwas die Hände gebunden.» Dabei ist er überzeugt: Die Erschliessung der Weiler ist gut. Also sollten Liegenschaften so gut wie möglich genutzt werden können. «Ansonsten kommt es zu einer Abwanderung aus den Weilern.» Immerhin: In Kappelen und Rüedisbach konnten einige Grundstücke von der Landwirtschafts- in Bauzonen überführt werden. Das ermöglicht eine bessere Nutzung der bestehenden Bauten.

Die Gemeinde hätte aber gern noch mehr solche Umzonungen vorgenommen. Das sei vom Kanton jedoch nicht zugestanden worden. «Leer stehende Gebäude in der Landwirtschaftszone sind brachliegendes Volumen, das Möglichkeiten zur inneren Verdichtung bietet», sagt Haldi überzeugt. In diesem Punkt müsste der Kanton über die Bücher, findet der Gemeinderat.

Eine weitere Rolle in der Revision spielt der Ortsbildschutz. Wynigens Dorfkern soll zu einem «Kerngebiet» werden. Das bedeutet zweierlei: Einerseits kann von den Massen des Baureglements abgewichen werden, wenn ein Bauprojekt mit den kantonalen Fachstellen koordiniert wird. Das schaffe die Möglichkeit für eine Verdichtung des Dorfkerns. Andererseits muss aber auch die Denkmalpflege einbezogen werden, damit das Ortsbild gesichert wird.

Auch einige Aussenbezirke der Gemeinde prägen das Orts- und Landschaftsbild, so zum Beispiel Breitenegg, Rüedisbach, Brechershäusern, Wil, Ferrenberg oder Kappelen. Darüber hinaus bestehen gemäss dem Bauinventar sehr viele schützens- und erhaltenswerte Einzelobjekte. Deshalb müsse in diesen Weilern bei Bauprojekten die Denkmalpflege beigezogen werden, erklärt Haldi. «Einige Landwirte befürchten nun aber, dass künftig auch die kantonale Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder mitreden könnte. Sie haben Angst, dass es dadurch noch schwieriger und teurer werden könnte, landwirtschaftliche Gebäude umzunutzen oder zu erweitern.»

Nach der öffentlichen Auflage von Anfang Jahr sind elf Einsprachen eingegangen. Sieben davon sind auch nach Einspracheverhandlungen noch offen. Über sie wird das Amt für Gemeinden und Raumordnung im Rahmen seiner Genehmigung entscheiden – sofern die Gemeindeversammlung am Donnerstagabend der Ortsplanungsrevision zustimmt

Gemeindeversammlung Wynigen: Donnerstag, 20 Uhr, Gotthelfsaal Uhlmannhaus.

Berner Zeitung