2019-07-18 15:52

Die Spätzünder aus dem Saanenland

Gstaad

Der 23-jährige Florian Aellen sein 21-jähriger Bruder Philipp waren schon keine Jungschwinger mehr, als sie mit diesem Sport begonnen haben. Dennoch haben sie beide schon Kränze geholt. Beispielsweise letzten Sonntag am Oberländischen Schwingfest.

Die Brüder Philipp (links) und Florian Aellen sind beide Kranzschwinger. Foto: Christoph Buchs

Die Brüder Philipp (links) und Florian Aellen sind beide Kranzschwinger. Foto: Christoph Buchs

  • Christoph Buchs

Für beide war es letzten Sonntag auf dem Flugplatz Interlaken so etwas wie eine Erlösung. Zuvor am Emmentalischen, am Seeländischen und auch am Oberaargauischen Schwingfest wollte es nicht klappen - aber am Oberländischen, ihrem letzten Gauverbandsfest in dieser Saison, konnten sich Florian und Philipp Aellen doch noch den Kranz aufsetzen lassen. Dafür benötigten beide in ihrem letzten Gang einen Sieg, und beide legten ihre Gegner auf den Rücken.

Für den 21-jährigen Philipp Aellen ist es der zweite Kranz seiner Karriere. Den ersten holte er sich letztes Jahr ebenfalls am Oberländischen. Sein 23-jähriger Bruder kranzte bereits 2016 in Aeschi. 2017 und 2018 kamen Kränze an den Bern-jurassischen Schwingfesten dazu, dies mit den Rängen 2 und 3 sogar mit absoluten Spitzenresultaten. Seinen zweiten Rang vor zwei Jahren hat Florian Aellen in bester Erinnerung. «Es lief von Beginn weg gut. Schon im fünften Gang sicherte ich mir den Kranz mit einem Sieg.» Zu verlieren hatte er im sechsten Gang also nichts mehr; konnte befreit schwingen und bodigte den Eidgenossen Damian Gehrig prompt im ersten Zug. An anderen Festen hätte er zur Belohnung einen Lebendpreis erhalten. Am Bern-jurassischen gibt es traditionellerweise «nur» den Muni für den Festsieger.

Direkt zu den Aktiven

Die Aellen-Brüder aus Gstaad haben spät mit dem Schwingen begonnen, obwohl der familiäre Hintergrund eigentlich gut passt. Der Vater und ein Onkel waren Schwinger, wenn auch keine Kranzer. «Beide sind Landwirte und verbrachten die Sommer auf der Alp, so bestritten sie nur im Frühling und im Herbst ein paar Feste», so Florian. Er und Philipp betrieben zuerst Judo und wechselten dann in den Skiclub. Erst nach seiner Schulzeit begann Florian mit dem Schwingsport, bestritt nur gerade zwei Jungschwingertage und war dann schon alt genug für die Aktiven. «Es war nicht einfach», sagt er, «aber es ging je länger je besser.» Er trainierte konsequent und irgendwann kamen die Erfolge. Philipp Aellen begann in der 9. Klasse mit dem Schwingsport. Sechs Zweige hat er von Jungschwingertagen vorzuweisen. «Ich trainierte aber nie bei den Jungen, sondern direkt bei den Aktiven», so Philipp. «Du hattest auch die gröbere Postur», fügt Florian an, und beide lachen.

«Er ist ’glechiga’»

Tatsächlich: Obwohl Florian Aellen mit 188 Zentimetern Körpergrösse und rund 100 Kilogramm Wettkampfgewicht auch nicht eben von mickriger Statur ist, wirkt er im Vergleich mit seinem jüngeren Bruder schon beinahe schmächtig. «Philipps Stärken sind sicher seine Kraft und sein Körperbau, damit ist er nur schwer zu bezwingen», sagt Florian über seinen 195 Zentimeter grossen und 125 Kilogramm schweren Bruder. Dessen Hauptschwung ist der Kurz, er schwingt auch gerne mit dem Kreuzgriff. Florian hingegen ist eher der wendige Typ und kommt oft mit Hakenschwüngen zum Erfolg. «Er ist ’glechiga’», sagt Philipp Aellen im breiten Saanenländer Dialekt. Die stärkste Waffe seines Bruders, den Brienzer rückwärts, bekam Philipp auch schon zu spüren: An einem Einladungsfest in Chateau d’Oex gewannen sie ihre ersten drei Gänge und schwangen im vierten Gang gegeneinander. Es war bislang ihr einziges Aufeinandertreffen in einem Wettkampf. «‘Denn hane no guet möge’», erzählt Florian schmunzelnd.

Dass sie nicht zu den Schwingern zählen, die oft im Rampenlicht stehen, stört die Brüder nicht. «Im Gegenteil. Ich kann mir vorstellen, dass es für jene Schwinger nicht immer einfach ist», so Florian Aellen. Auf ihrer Kranzfest-Agenda stehen in dieser Saison noch das Bernisch-kantonale Schwingfest am 11. August in Münsingen. Philipp Aellen bestreitet zudem diesen Samstag noch das Bergfest auf dem Weissenstein. Ob sie auch ans Eidgenössische Schwingfest in Zug dürfen, ist noch nicht klar. 56 Berner Plätze gibt es dort. «Die Konkurrenz ist gross», sagt Florian Aellen. «Schon nur im Oberland gibt es viele ‘Böse’.»