ABO+2019-07-11 21:03

Ihr Anwalt brachte sie um 250'000 Franken

Vor sieben Jahren hat ein Treuhänder Maya Lehmanns Erbe unterschlagen. Auf Gerechtigkeit wartet sie bis heute – weil das Justizsystem komplett überlastet ist.

Warten und Tee trinken: Verzögerungen bei strafrechtlichen Verfahren sind heutzutage üblich, vor allem bei Finanz- und Wirtschaftsdelikten. Illustration: Benjamin Güdel

Warten und Tee trinken: Verzögerungen bei strafrechtlichen Verfahren sind heutzutage üblich, vor allem bei Finanz- und Wirtschaftsdelikten. Illustration: Benjamin Güdel

Es dauert Monate, ehe Maya Lehmann, wie wir sie hier nennen wollen, Verdacht schöpft. Bloss scheint ihr dieser Verdacht so ungeheuerlich, dass sie ihn zunächst verdrängt. Ihr Vater ist 2012 verstorben. Der Anwalt, den er zwei Jahre zuvor als Willensvollstrecker für die Verteilung des Erbes an sie und ihren Bruder beauftragt hat, der ist doch sicher anständig. Hat er nicht vor einem Monat am Telefon wortreich beteuert, es sei alles in Ordnung, er werde die 250'000 Franken, die Maya Lehmann zustehen, jetzt endlich überweisen? Nur ein paar Abklärungen, nur noch die eine oder andere Unterschrift. Und dass er schon zum dritten Mal, wenn sie in der Winterthurer Kanzlei anruft, gerade an einer Sitzung, ausser Haus oder krank ist – das kann Zufall sein. Und die drei Mails, die er seit dem Telefongespräch unbeantwortet gelassen hat?