2019-07-17 12:55

«Kann sein, dass es am Anfang etwas zäh wird»

Der neue YB-Captain Fabian Lustenberger spricht über seine Rückkehr in die Schweiz, die erfolgreiche Vorbereitung und Steve von Bergen.

YB-Captain Fabian Lustenberger spricht vor dem Saisonstart über das Ziel Titelverteidigung.
(Video: Keystone-SDA)

  • Simon Scheidegger

Wie haben Sie sich eingelebt?
Sehr gut. Es war keine grosse Umstellung. Da meine Familie schon seit zwei Jahren wieder in der Schweiz lebt, bin ich regelmässig gependelt. Es war wie ein Heimkommen.

Sie waren bei Hertha Berlin sehr beliebt. Weshalb haben Sie sich für eine Rückkehr entschieden?
Ich kam an einen Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, dass nach zwölf Jahren der Moment gekommen ist, etwas Neues zu machen. In den letzten zwei Jahren habe ich meine Frau und meine Kinder pro Woche circa zwei Tage gesehen, die restliche Zeit verbrachte ich alleine in Berlin. So zu leben, ist zwar schon möglich, aber auf Dauer anstrengend. YB hat sich sehr um mich bemüht. Christoph Spycher kam mich besuchen. Es hat einfach gepasst.

Nun sind Sie als Neuling gleich zum Captain ernannt worden.
Das ist ein schönes Zeichen, das auch zeigt, welche Erwartungen hier in mich gesteckt werden. Aber im Endeffekt spielt es keine Rolle, wer die Binde trägt. Wir haben viele Spieler, die Verantwortung übernehmen. Ich versuche einfach, meinen Teil dazu beizutragen.

Sie sind der Nachfolger von Steve von Bergen. Das sind ziemlich grosse Fussstapfen.
Dass ich irgendwann in seine Fussstapfen treten würde, war zu erwarten. Dafür wurde ich auch verpflichtet. Ich hätte allerdings sehr gerne noch mit Steve zusammengespielt – wie damals in Berlin am Anfang meiner Karriere.

Am Samstag konnten Sie im Neufeldstadion am Uhrencup erstmals eine Trophäe in Empfang nehmen. Welche Bilanz ziehen Sie von der Vorbereitung?
In den letzten Jahren habe ich gelernt, die Resultate der Vorbereitung nicht zu hoch zu gewichten. Man kann eine super Vorbereitung haben, aber dann die ersten drei Spiele verlieren – oder umgekehrt. Ein Ernstkampf ist etwas anderes. Aber ich bin sicher, dass wir parat sein werden am Sonntag gegen Servette.

Trotz der vielen Wechsel, die es im Sommer gegeben hat?
Ein Saisonauftakt ist immer schwierig, weil man sich als Team zuerst finden muss. Das kann etwas dauern, aber wir sind ambitioniert genug, um sagen zu können, dass wir am Sonntag gewinnen werden.

Im letzten Jahr konnte YB alle Spiele im ersten Saisonviertel gewinnen...
...das wäre schön, wenn wir das wieder schaffen.

Ist das überhaupt realistisch?
Warum nicht? Es ist sicher möglich. Aber wir wissen, dass es im Sommer einen Umbruch gegeben hat. Es kann sein, dass es am Anfang etwas zäh wird, aber wir müssen Gas geben und alles dafür tun zu gewinnen.

Haben Sie bereits Niveauunterschiede festgestellt von der Schweiz zur Bundesliga?
Ich habe mir vorgenommen, nicht zu viele Vergleiche zu machen. Ich durfte zwölf wunderschöne Jahre erleben in Berlin, aber jetzt bin ich hier. Ich fühle mich sehr wohl, und was zählt, ist nicht, was war, sondern was ist. Und ich freue mich sehr, dass es nun endlich losgeht.

Bei Ihrem Abschied nannten Sie die Fans der Hertha «Fussballgott». Wie lange dauert es, bis Sie auch bei YB diesen Status haben?
(lacht) Altersmässig wird es wahrscheinlich schwierig, dass ich auch hier noch zwölf Jahre spielen kann. Es war eine schöne Anerkennung der Fans in Berlin, aber ich bin so oder so gerne bei YB, ob mich die Fans Fussballgott nennen oder nicht.


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