2019-07-17 16:51

McIlroy ist zurück am Ort seiner Sternstunde

Am British Open im nordirischen Portrush steht der in der Nähe aufgewachsene Golfstar im Fokus. Mit 16 Jahren stellte er dort den Platzrekord auf.

Die Waschmaschine als Glücksbringer auf der Brust: Rory McIlroy startet am British Open im Spezialtrikot.

Die Waschmaschine als Glücksbringer auf der Brust: Rory McIlroy startet am British Open im Spezialtrikot.

(Bild: Keystone Facundo Arrizabalaga)

  • Adrian Ruch

    Adrian Ruch

Es war ein Paukenschlag, der durch die Golfwelt hallte. Am 12. Juli 2005 kündigte sich Rory McIlroy im Royal Portrush Golf Club als künftiger Superstar an. An der nordirischen Amateurmeisterschaft verbesserte er auf dem Dunluce-Parcours den Platzrekord um 3 Schläge auf 11 unter Par. Ja, er hatte einst als 9-Jähriger im Livefernsehen einen Ball in einer Waschmaschine versenkt, aber mit 16 Jahren auf einem Weltklasseplatz eine 61 zu schiessen, das war einfach unerhört.

Stephen Crowe, der damals mit dem Wuschelkopf aus Holywood bei Belfast auf der Runde unterwegs gewesen war, liess diese für die Zeitung «Irish Times» jüngst Revue passieren. «Je mehr Zuschauer dabei waren, desto besser spielte Rory. Auf den letzten fünf Löchern gelangen ihm fünf Birdies», erzählte Crowe. «Nichts erschütterte ihn, er machte nie einen Rückzieher. Er versuchte stets, Schläge zu zeigen, die das Publikum begeisterten.» «Das Resultat war mir egal, ich wollte einfach den Rekord brechen», wird McIlroy selber in der aktuellen Ausgabe des Magazins «Golf World» zitiert.

Der Platz wurde extra schwieriger gemacht

Für einmal dreht sich vor einem Major nicht alles um Tiger Woods. Denn das am Donnerstag beginnende British Open – respektive The Open, wie die Briten das älteste Golfturnier der Welt schlicht nennen – findet erstmals seit 68 Jahren wieder in Nordirland statt, und zwar im Royal Portrush Golf Club. Er erinnere sich bis heute an jeden einzelnen Schlag besagter Runde, erzählt McIlroy im Gespräch mit dem «Golf World»-Reporter. Der Dunluce-Kurs, benannt nach einer nicht weit entfernten Burgruine, wird freilich nicht mehr identisch sein mit jenem von damals.

Video: McIlroys Rekordrunde

Als 16-Jähriger toppt der Nordire den Platzrekord im Royal Portrush Golf Club. (Video: Youtube)

Golfplatzarchitekt Martin Ebert wurde beauftragt, den Traumplatz an der famosen Causeway-Küste British-Open-tauglich zu machen. Die Vorgaben: Der Kurs soll möglichst viele Zuschauer verkraften und schwieriger werden, damit die besten Spieler der Welt zuweilen an ihre Grenzen stossen. Einerseits gestaltete Ebert zwei völlig neue Bahnen, andererseits verlängerte er den Parcours um rund 180 Meter. McIlroy ist voll des Lobes: «Der Platz ist optisch spektakulär; es ist gelungen, zwischen den Dünen Löcher zu kreieren, die aussehen, als wären sie schon immer dort gewesen.»

Der Weltranglistendritte freut sich, wieder einmal in Portrush einen Wettkampf zu bestreiten. Er spricht von «einer Einmal-im-Leben-Gelegenheit». Dieser Ort sei für ihn speziell, weil sein Vater hier gespielt und ihn oft mitgenommen habe. «Ich erinnere mich noch daran, wie wir mit dem Auto hingefahren sind. Und wenn du oben auf dem Hügel kurz vor Portrush angekommen bist, siehst du nur noch den Golfplatz und das Meer.»

Der Lokalheld eröffnet – er ist McIlroys früheres Vorbild

Die schöne Aussicht wird allerdings in den Hintergrund treten, wenn es ab Donnerstag ernst gilt. Die Ehre, als Erster abzuschlagen, gebührt übrigens Darren Clarke. Der 50-Jährige, in Portrush wohnhaft und British-Open-Champion 2011, war einst McIlroys Vorbild gewesen. Den Titelkandidaten wird der Lokalmatador aber nicht mehr zugerechnet.

Video: McIlroys TV-Auftritt als 9-Jähriger

Bereits mit 9 Jahren beweist Rory McIlroy im TV sein Talent. (Video: Youtube)

McIlroy streitet nicht ab, dass ihm der Titel besonders viel bedeuten würde. «Aber ich werde das Turnier wie jedes andere Open behandeln. Es dürfte etwas lauter werden als sonst, die Atmosphäre wird wohl etwas anders sein, aber mein Ziel bleibt das gleiche: «Ich will mir die Chance geben, zum zweiten Mal den Claret Jug zu gewinnen.» Den Pokal in die Höhe stemmen konnte er 2014 in Hoylake unweit von Liverpool. 2016 wurde er am British Open Fünfter, 2017 Vierter und letztes Jahr Zweiter.

Die Leichtigkeit ist weg

Die Spitzenplätze bedeuten zwei Dinge: Erstens verfügt McIlroy über enorm viel Talent und über einen Schwung, um den ihn fast all seine Berufskollegen beneiden, und zweitens ist ihm, mittlerweile 30-jährig und verheiratet, die Leichtigkeit des Seins etwas abhanden gekommen. Gerade an den vier Topevents im Golfkalender hat er zuletzt etliche Chancen verpasst. Der vierte und letzte Major-Titel liegt nun schon fünf Jahre zurück. Der Druck beginne auf einem zu lasten, und mit zunehmendem Alter werde man in allem, was man tue, etwas vorsichtiger, stellt er fest.

Daher will er sich wieder auf seine an jenem denkwürdigen 12. Juli 2005 gezeigten Qualitäten zurückbesinnen. «Je mehr ich wieder sein kann wie dieser Jüngling, desto besser. Ich muss wieder die Einstellung erlangen, die es mir erlaubt, unbeschwert aufzuspielen.» Werden Rory McIlroy die Erinnerungen an seine Jugend beflügeln oder wird für ihn der Heimvorteil zur Belastung? Am Sonntagabend wissen wir Bescheid.