2019-07-15 17:24

Sie siegen und siegen und siegen und siegen

Frei nach Gary Lineker: American Football ist ein Sport, in dem in der Schweiz am Ende die Calanda Broncos triumphieren.

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Genüsslich zog er an dieser Siegerzigarre. Zufrieden, aber auch erleichtert. Geoff Buffum stand reichlich mitgenommen auf dem Rasen des Stadions Ringstrasse in Chur, um ihn herum jubelnde Sportler in dicken Ausrüstungen, und er sagt: «Einfach unglaublich. Die Jungs haben einfach unglaublich gespielt. Die Abwehr war fantastisch.»

Mit 31:0 gewann seine Mannschaft, die Calanda Broncos, die 34. Swiss Bowl, das Endspiel der Schweizer American-Football-Meisterschaft gegen die Geneva Seahawks. Es war für das Team aus Chur der insgesamt zehnte Titel – der neunte in den vergangenen elf Saisons. Schon vor einem Jahr hatte Calanda die Genfer im Endspiel in Bern dominiert.

Die Highlights der 34. Swiss Bowl. Video: Youtube/GRHeute

Die Broncos prägen die Schweizer Footballszene seit einem Jahrzehnt, sie sind, wie die Lokalzeitung «Die Südostschweiz» schreibt, «eine Klasse für sich». Das galt für die Swiss Bowl vom Samstag gegen die Genfer, und das gilt für fast jede Saison seit 2009. Nur den Gladiators Basel (2014) und den Bern Grizzlies (2016) gelang es in dieser Zeit, die Broncos im Final zu bezwingen.

Erfolgstrainer und Star-Spielmacher

Baumeister des Erfolgs ist US-Chefcoach Buffum. Der Kalifornier kam 2011 nach Graubünden und feierte schon 2012 einen ersten Grosserfolg, als die Broncos als erstes Schweizer Team in der Eurobowl triumphierten und den grössten Titel im europäischen Clubfootball gewannen. Danach verliess Buffum die Broncos in Richtung Norwegen, kehrte 2014 aber zurück – und knüpfte schnell wieder an die früheren Erfolge an.

Um sich ständig zu verbessern, scheut Buffum auch unpopuläre Entscheidungen nicht. So trennten sich die Broncos auf diese Saison hin vom überzeugenden US-Quarterback Clark Evans, um Platz zu machen für Conner Manning. Mit dem Spielmacher hatte Buffum schon im Highschool-Football zusammengearbeitet. Der ist, übrigens, weder verwandt noch verschwägert mit den NFL-Quarterbacks Peyton und Eli Manning.

Doch auch Conner Manning spielte in den USA auf hohem Niveau. Er vertrat in der Collegemeisterschaft die Georgia State University und gewann in der höchsten Division eines der Bowl-Endspiele – er wurde da gar zum MVP jener Partie gewählt. «Einen solchen Spieler siehst du in der Schweiz nicht jeden Tag», schwärmte Buffum nach dessen Verpflichtung. Im Final der Central European Football League unterlagen die Broncos Anfang Juni den favorisierten Swarco Raiders Tirol denkbar knapp.

Historisches Shutout

Bei der Swiss Bowl nun gegen Geneva hielt Manning vor 1360 Zuschauern den grossen Erwartungen stand und führte die Broncos zum klaren Sieg. Erst zweimal endete die Swiss Bowl mit einem Shutout, letztmals 1990 beim Sieg der St. Gallen Raiders gegen die Bülach Giants. Zum MVP des Finals wurde Lukas Lütscher gewählt, der den Halbfinal in der Woche zuvor noch ausgelassen hatte – weil er heiratete.

Etwas Glück war diesmal allerdings auch dabei: Kurz vor der Pause liessen sich die Schiedsrichter von einer Ansage des Platzspeakers irritieren und verzählten sich bei der Anzahl Downs. Die Seahawks wurden dadurch gestoppt – im Gegenzug erhöhte Calanda auf 17:0. «Es war der Knackpunkt in diesem Spiel», war Buffum bewusst. Der Cheftrainer sagte aber auch: «Ob uns ein Geneva-Touchdown wirklich aufgehalten hätte, ist nicht sicher.»

Zu gut geölt ist diese Maschine. Sie siegt und siegt und siegt und siegt. Seit Jahren. Für viele weitere Jahre?

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